selten sind Astronomen in der Lage, die Gegenstände ihrer Forschung experimentell im Labor zu untersuchen. Etwa dann, wenn ein Gesteinsbrocken aus dem All als Meteorit vom Himmel gefallen ist. Ersatzweise können sie Roboter-Assistenten durchs Sonnensystem oder zu anderen Planeten schicken. In der Regel jedoch sind sie auf das Licht und andere Strahlungsarten angewiesen, die von den Himmelsobjekten ausgesandt werden.
Aus dieser Not haben die Astronomen freilich eine Tugend gemacht. Die Kunst der Beobachtung ist inzwischen zu einer Perfektion entwickelt, die noch vor wenigen Jahren als utopisch galt. Mit Weltraumteleskopen spähen sie mittlerweile sogar direkt in die Kinderstuben von Sternen und Planeten hinein – in kleine Verdichtungen innerhalb von großen Molekülwolken, in denen sich Gas und Staubkörnchen zu neuen Himmelskörpern zusammenballen.
Doch selbst die leistungsfähigsten Teleskope vermögen die Vorgänge in den
kosmischen Kreißsälen nur grob zu erhellen. Zwischen Staubkorn (kleiner als
ein Mikrometer) und Planet (Durchmesser etwa 10 000 Kilometer) liegen mehr
als 13 Größenordnungen. Um zu verstehen, wie aus winzigen Partikeln makroskopische Himmelskörper werden, greifen die Wissenschaftler auf Modellrechnungen und Laborexperimente zurück. Damit lässt sich untersuchen, wie sich Staubkörner in den Umgebungsbedingungen der Molekülwolken verhalten, wann sie aneinander haften bleiben – oder sich bei Stößen zerstören – und wie schließlich über immer größere Agglomerate Planeten entstehen. Die mikroskopische Welt der Staub-Astronomie im Labor erschließen Ihnen Carsten Güttler und Jürgen Blum ab S. 26.
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