Vor einigen Monaten war es Forscher um Suzanne Smrekar vom Jet Propulsion Laboratory der NASA gelungen, diese Hypothese mit vor Ort auf der Venus gesammelten Daten an der Realität zu messen. Tatsächlich fanden die Forscher mit Hilfe der europäischen Raumsonde Venus Express aber nicht Hinweise auf längst vergangene Vulkanität – ihre Auswertung legte nahe, dass unser Nachbarplanet womöglich sogar noch vor kurzem vulkanisch aktiv war.
Der Vulkan Idunn Mons befindet sich im Gebiet Imdr Regio auf der Südhalbkugel der Venus. Das Bild ist eine Überlagerung der Radardaten der US-Raumsonde Magellan und der Infrarotdaten des VIRTIS-Instruments der europäischen Raumsonde Venus Express. Idunn Mons in der Bildmitte weist einen Durchmesser von 200 Kilometern auf und ist rund 2500 Meter hoch. Er ist auf dieser Karte stark überhöht abgebildet. Die wärmste Region befindet sich in der Gipfelzone des Schildvulkans.
Offenbar war die Venusoberfläche demnach nicht etwa einmal – vor langer Zeit, aber vergleichsweise schnell – von massiven Vulkanausbrüchen neu modelliert worden. Stattdessen, so kommentiert nun etwa Robert Herrick von der University of Alaska in Fairbanks, sei unser heißer Nachbarplanet eher ein "normaler Planet" mit einzelnen vulkanischen Episoden, die über geologisch lange Zeiträume nach und nach die Oberfläche formen.
Die eher "normale" geologische und vulkanische Aktivität der Venus wirft umso mehr die seit langem diskutierte Frage auf, warum der uns so ähnliche Planet – Venus besitzt rund 80 Prozent der Erdmasse, eine nahezu gleiche chemisch-mineralogische Zusammensetzung und eine ähnlich innere Wärmeproduktion – sich in der Atmosphärenzusammensetzung so grundlegend unterscheidet. Venus ist von einer dichten Gashülle umgeben, die zu 97 Prozent aus Kohlendioxid besteht, der daraus resultierende Treibhauseffekt heizt die mittlere Temperatur auf 460 Grad Celsius hoch.
Forscher wie Fred Taylor, ein Atmosphärenforscher der University of Oxford, sind sich sicher, dass der Vulkanismus der Venus einen entscheidenden Anteil hat. Er vermutet hinter Bändern in der oberen Wolkenhülle der Venus, rund 45 Kilometer über der Oberfläche, Spuren von Vulkanasche aus vergleichsweise kürzlichen Ausbrüchen. Sollten sich die Vulkane beruhigen, so der Forscher, werde die Venus sich in der nächsten Milliarde Jahre auf eher irdische Temperaturen abkühlen. (jo)
Smrekar, S. E. et al.: Recent Hot-Spot Volcanism on Venus from VIRTIS Emissivity Data. In: Science, 10.1126/science.1186785, 2010.






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