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Quelle: Sterne und Weltraum 2/2010
Ein beeindruckendes Werk
Mit einem unglaublichen Eifer pflegt
und erweitert der studierte Physiker
und Astronom Erik Wischnewski sein
Einführungs- und Nachschlagewerk "Astronomie
in Theorie und Praxis". Angefangen
hatte alles mit einem selbsterstellten
Büchlein von 80 Seiten, das 1980 erschien. Eine zweite Auflage erschien
1993 beim B.I.-Wissenschaftsverlag, seither
verlegt Wischnewski sein Buch selbst.
Nun liegt die vierte Edition mit 602 Seiten
in völlig neuer Aufmachung vor. Insgesamt
fast tausend Arbeitsstunden hat der
begeisterte Sternfreund dazu in sein
jüngstes Werk hineingesteckt.
Im Vergleich zur dritten Auflage fällt
sofort auf, dass das Buch sowohl hinsichtlich
der Farbgestaltung als auch hinsichtlich
der Textdarstellung völlig überarbeitet
wurde. Ein erstes Durchblättern zeigt
vor allem, dass bei dieser Gelegenheit der
Autor auch viele Abbildungen erneuerte
und verbesserte. Die jetzigen Grafiken haben
einen hochwertigen professionellen
Standard erreicht, der für solch ein Ein-
Mann-Werk mehr als bemerkenswert ist.
Den Leser erwartet ein deutlich größeres
Buchformat, dreißig Prozent mehr Inhalt und ein völlig neues Layout: durchgängig
farbig und zweispaltig. Dazu
kommen zwei Lesezeichen und robustes,
hochweißes Bilderdruckpapier. Die Tabellen
sind gelblich hervorgehoben, Aufgaben
und Beispiele erscheinen in grünen,
Wichtiges in orangefarbenen Kästen. Hintergrundwissen
ist in "grauen Zellen" untergebracht.
Ein zweiter Blick verdeutlicht, dass der
Inhalt dadurch wesentlich übersichtlicher
geworden ist. Die zahlreichen Fotos lockern
das Buch auf und bieten mitunter
schöne Ergänzungen zum Text. Sogar im
Inhaltsverzeichnis findet der Leser Fotos
der Hamburger Sternwarte. Das Stichwortregister
lockerte der Autor mit Deep-Sky-
Bildern auf, und es umfasst nun mehr als
3300 Verweise. Viele der herrlichen Aufnahmen
stammen übrigens von den bekannten
Astrofotografen Wolfgang Ries
und Stefan Heutz.
Sämtliche Kapitel wurden intensiv
überarbeitet, aktualisiert und um viele
aussagefähige Grafiken erweitert. Vor
allem die Abschnitte zur Entstehung und
Entwicklung der Sterne wurden generalüberholt.
Neu sind hier die Erläuterungen
zu Lada-Klassen und Gasfingern. Die Darstellungen
zur Kosmogonie gestaltete der
Autor ebenfalls neu und überarbeitete das
Kapitel über Kosmologie sogar vollständig.
Er geht nun auch auf das wichtige
Thema Entfernungsmaße ein.
Wischnewski überarbeitete und erweiterte
wesentlich den Abschnitt über die
"Professionellen Methoden der Beobachtung". Hier findet der Leser gleich drei
neue aktuelle Kapitel zur hochauflösenden
Astronomie, zur Ultraviolett- und
Infrarotastronomie sowie zur Röntgenund
Gammaastronomie. Ein besonderes
Augenmerk
legte der Autor auf moderne
Themenstellungen wie die Interferometrie
und auf Gravitationswellendetektoren
wie LIGO, PPTA und LISA. Bei der
Radioastronomie
fanden das europäische
Empfängernetzwerk LOFAR und das australisch-
südafrikanische Quadratkilometer
Array SKA Eingang ins Buch.
Viele neue Informationen flossen auch
in den Praxisteil ein. Gerade dieser Teil des
Buchs ist für viele Sternfreunde besonders
interessant und birgt zudem manch ungewöhnliches, aber faszinierendes Thema. So
wird beispielsweise genau geschildert, wie
sich unter Verwendung handelsüblicher
Bauteile ein kleines Radioteleskop bauen
lässt. Das Kapitel Astrofotografie gestaltete
Wischnewski neu und erweiterte es. Bei der
Bildbearbeitung wird die Software Fitswork
ebenfalls ausführlicher erörtert. Nicht
minder interessant ist die umfassende
Darstellung von fotometrischen Messungen
mittels CCD-Kameras.
Auch beim Anlesen dieser neuen Auflage
fiel mir auf, dass der Autor einen besonderen
Wert auf Verständlichkeit und
Praxisnähe legt. Knappe, klare Texte und
zahlreiche Grafiken und Skizzen machen
das Buch nicht nur zu einem perfekten
Nachschlagewerk, sondern auch zu einer
guten Grundlage für das Selbststudium.
Hier liegt unbestritten der Vorteil dieses
imposanten Werks.
Wie wohl kein zweites deutschsprachiges
Buch bietet die vierte Auflage des
Wischnewski eine umfassende Darstellung
und Aufbereitung nahezu aller theoretischen
Grundlagen, die ein Hobbyastronom
und Sternfreund bei der
Ausübung seines Hobbys benötigen
könnte.
Natürlich ist das vorliegende Buch kein
Werk, dass sich an den klassischen Hobbyeinsteiger
richtet. Aber jeder Sternfreund,
der sich mit fortschreitendem Detailinteresse
in ein Teilgebiet einarbeiten möchte
oder der einen Eindruck vom technisch
machbaren gewinnen möchte, wird dieses
Buch als umfassendes Nachschlagwerk zu
schätzen wissen.
Nun mag sich mancher fragen, ob ein
derartiges Buch im Zeitalter des Internets
noch sinnvoll ist. Hier möchte ich jeden
Skeptiker ermutigen: Wer das Buch in der
Hand hält, wird sich diese Frage rasch mit
einem klaren "Ja" beantworten können.
Eine solche Detailfülle lässt sich im Web
kaum zusammentragen, geschweige denn
dort irgendwo am Stück finden. Der "neue
Wischnewski" hat zu Recht seinen festen
Platz auch in meinem Bücherregal.
Bernd Weisheit
Der Rezensent ist freier Mitarbeiter von "Sterne und Weltraum" und betreut neben der Rubrik "Astroszene" vor allem Themen der Amateurastronomie.
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