Die Qualität des Bildungssystems
in Deutschland ist ein
Dauerthema. Mängel in der
Konzeption der überall eingeführten
Bachelor- und Master-Studiengänge
veranlassen Studierende an vielen
Hochschulen zu lang anhaltenden Protesten.
In den alten Bundesländern sollen
die Inhalte der bisher 13 Schuljahre nun in
zwölf Jahren vermittelt werden – unter
Beibehaltung der gesamten Wochenstundenzahl,
was zu einer deutlich höheren
Belastung der Schüler führt. In diese allgemeine
Situation mischt sich nun die Forderung
hinein, Astronomie bundesweit
als Pflichtschulfach einzuführen.
Am 12. November 2009 wurde den
Kultusministerien, den Landtagen, dem
Deutschen Bundestag und Spitzenvertretern
des Bundes ein offener Brief zugestellt,
der bundesweit zwei Jahreswochenstunden
Astronomie im letzten Schuljahr
der Mittelstufe für alle Schüler empfiehlt
und die Ausbildung speziell qualifizierter
Astronomielehrer fordert.
Den in SuW 01/2010 geäußerten Meinungen stimme ich weitestgehend zu. Es folgen einige ergänzende Anmerkungen.
Zur Belastung der Schüler:
Die Schüler haben bereits jetzt eine hohe Stundenbelastung, und durch die Einführung von G8 ist die Belastung noch größer geworden. Da ist ein weiteres Unterrichtsfach mit zusätzlichen Stunden nicht zu verantworten und auch nicht durchzusetzen. Welchem Unterrichtsfach sollen also zu Gunsten der Astronomie Stunden abgezogen werden? Die zugehörige Diskussion dürfte zu einem Aufschrei führen, aber kaum zu einem Ergebnis. Hierzu wären Ausführungen von Kollegen aus den neuen Bundesländern interessant.
Lehrer für das Fach Astronomie?
Deshalb sehe ich die Astronomie zumindest für die alten Bundesländer kurzfristig nicht als Pflichtfach, selbst bei Interesse und Engagement nicht. Ein weiterer Grund ist das Fehlen von Astronomie-Lehrern: (1) Es gibt fast keine astronomiekundigen Lehrer. Nach meinen Erfahrungen hat kaum ein Lehrerkollege, selbst unter den Naturwissenschaftlern, auch nur rudimentäre Kenntnisse der Astronomie. Entsprechend groß sind die Hemmungen, sich hier sozusagen auf Glatteis zu begeben. Um sich in die Astronomie einzuarbeiten, fehlt es fast allen an Zeit, Mut und Anleitung. (2) Selbst im Physikstudium kommen astronomische Themen praktisch nicht vor. So dass die künftigen Physiklehrer derzeit auch keine astronomischen Kenntnisse mitbringen, die sie weitergeben könnten. Von Kollegen anderer Fächer ganz zu schweigen. (3) Vermutlich gebiert sich die Unkenntnis fort, so dass auch die meisten Physik-Professoren nicht die wünschenswerten Kenntnisse in Astronomie/Astrophysik haben, die sie ihren Studenten weitergeben könnten.
Kurzfristige Abhilfen:
Soll kurzfristig Abhilfe geschaffen werden, so sind die vorhandenen Ressourcen verstärkt zu nutzen und zu fördern. Das sind: (1) Eine verstärkte Unterstützung des ohnehin großen Engagements der Planetarien und Volkssternwarten durch die öffentliche Hand. (2) Ein Intensivieren der Lehrerfortbildung in Sachen Astronomie und Astronomie-Unterricht durch die etablierten astronomischen Institute. (3) An den Universitäten könnten die Angebote an Vorlesungen durch Fachastronomen ausgeweitet werden. (4) Dann könnten Astronomiekurse zumindest für Physik-Studenten zur Pflicht gemacht werden.
Ich selbst habe in meinem Physikunterricht astronomische Themen ständig und mit großem Erfolg eingebunden. Das klappt in fast allen Teilgebieten der Physik. Insbesondere werden unsere alltäglichen Maßstäbe ganz erheblich ausgeweitet: Längenskalen, Zeiträume, Temperaturen, Dichten, Magnetfelder und anders mehr.
Etwas zum Lachen? „Sonnenfinsternis ist dann, wenn die Sonne zwischen Erde und Mond steht.“ ...
Von der ESA über die Harvard University nach Heidelberg: Die Exoplanetenforscherin Lisa Kaltenegger berichtet im Interview über die Faszination,... » weiter
Spektrum Lesershop
Spektrumhefte und mehr
Im Lesershop finden Sie alle Hefte und Sonderhefte des Verlags, Sammelordner, Jahres-CD-Roms sowie weitere ausgewählte Produkte rund um Spektrum der Wissenschaft.
Medizin: Werden wir alle Krankheiten heilen können? • Verkehr: Intelligent unterwegs mit Elektroauto & Co. • Umweltschutz: neo-Reporter zu Besuch auf einem Forschungsschiff • … » weiter
Der Science-Shop hält für Sie eine große Auswahl an naturwissenschaftlichen Fachbüchern bereit. Außerdem finden Sie im Science-Shop spannende populärwissenschaftliche Literatur und DVDs, sowie unterhaltsame Spiele und überraschende Spielereien und Geschenkideen.
1. Zum Astronomie-Defizit an den Schulen
16.12.2009, Karl-Ludwig Bath, EmmendingenZur Belastung der Schüler:
Die Schüler haben bereits jetzt eine hohe Stundenbelastung, und durch die Einführung von G8 ist die Belastung noch größer geworden. Da ist ein weiteres Unterrichtsfach mit zusätzlichen Stunden nicht zu verantworten und auch nicht durchzusetzen. Welchem Unterrichtsfach sollen also zu Gunsten der Astronomie Stunden abgezogen werden? Die zugehörige Diskussion dürfte zu einem Aufschrei führen, aber kaum zu einem Ergebnis. Hierzu wären Ausführungen von Kollegen aus den neuen Bundesländern interessant.
Lehrer für das Fach Astronomie?
Deshalb sehe ich die Astronomie zumindest für die alten Bundesländer kurzfristig nicht als Pflichtfach, selbst bei Interesse und Engagement nicht. Ein weiterer Grund ist das Fehlen von Astronomie-Lehrern: (1) Es gibt fast keine astronomiekundigen Lehrer. Nach meinen Erfahrungen hat kaum ein Lehrerkollege, selbst unter den Naturwissenschaftlern, auch nur rudimentäre Kenntnisse der Astronomie. Entsprechend groß sind die Hemmungen, sich hier sozusagen auf Glatteis zu begeben. Um sich in die Astronomie einzuarbeiten, fehlt es fast allen an Zeit, Mut und Anleitung. (2) Selbst im Physikstudium kommen astronomische Themen praktisch nicht vor. So dass die künftigen Physiklehrer derzeit auch keine astronomischen Kenntnisse mitbringen, die sie weitergeben könnten. Von Kollegen anderer Fächer ganz zu schweigen. (3) Vermutlich gebiert sich die Unkenntnis fort, so dass auch die meisten Physik-Professoren nicht die wünschenswerten Kenntnisse in Astronomie/Astrophysik haben, die sie ihren Studenten weitergeben könnten.
Kurzfristige Abhilfen:
Soll kurzfristig Abhilfe geschaffen werden, so sind die vorhandenen Ressourcen verstärkt zu nutzen und zu fördern. Das sind: (1) Eine verstärkte Unterstützung des ohnehin großen Engagements der Planetarien und Volkssternwarten durch die öffentliche Hand. (2) Ein Intensivieren der Lehrerfortbildung in Sachen Astronomie und Astronomie-Unterricht durch die etablierten astronomischen Institute. (3) An den Universitäten könnten die Angebote an Vorlesungen durch Fachastronomen ausgeweitet werden. (4) Dann könnten Astronomiekurse zumindest für Physik-Studenten zur Pflicht gemacht werden.
Ich selbst habe in meinem Physikunterricht astronomische Themen ständig und mit großem Erfolg eingebunden. Das klappt in fast allen Teilgebieten der Physik. Insbesondere werden unsere alltäglichen Maßstäbe ganz erheblich ausgeweitet: Längenskalen, Zeiträume, Temperaturen, Dichten, Magnetfelder und anders mehr.
Etwas zum Lachen? „Sonnenfinsternis ist dann, wenn die Sonne zwischen Erde und Mond steht.“ ...
Karl-Ludwig Bath, Emmendingen
www.sternfreunde-breisgau.de, www.ias-observatory.org