Bei allen bisherigen Versuchen, eine solche Fusion im Rechner nachzustellen, ergab sich keine Explosion der gewünschten Art, sondern vielmehr eine viel schwächere Nova: Durch die Gravitation des schwereren Partners wird der leichtere Zwerg zerrieben und die Reste sukzessive an der Oberfläche des intakten Zwergs nuklear verbrannt. Rüdiger Pakmor und seine Kollegen von der Emmy-Noether-Forschungsgruppe Modellierung von Typ-Ia-Supernova-Explosionen am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching waren jetzt erfolgreich. Ihre Berechnungen deckten auch den Fall ab, dass beide Fusionspartner annähernd gleich viel Materie in die Waagschale werfen – jeweils nicht ganz eine Sonnenmasse.
Auch in Bezug auf die chemische Zusammensetzung der Explosionswolke entspricht das Ergebnis von Pakmor den Beobachtungen etlicher leuchtschwacher Supernovae. Seit der Entdeckung von SN 1991bg vor fast 20 Jahren, dem Prototypen dieser Unterklasse, hatten Astrophysiker versucht, diese Erscheinung im Detail zu verstehen. Diese Unsicherheit war insofern problematisch, da Ia-Explosionen als "Standardkerzen" zur Entfernungsbestimmung von Galaxien verwendet werden.
Mit diesen Resultaten ist dies auch weiterhin möglich, denn die leuchtschwachen Supernovae können auf weite Distanzen nicht mehr beobachtet werden. Die neuen Erkenntnisse helfen jedoch, auch die Abläufe bei den bisher als Standard betrachteten Vertretern genauer zu analysieren. Bei diesen strömt von einem Stern, der sich gerade in seiner Riesenphase befindet, so lange Materie auf einen Weißen Zwerg, bis dieser unter der zusätzlichen Last instabil wird und in der folgenden Detonation zerrissen wird.
Oliver Dreissigacker
© spektrumdirekt





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