ASTROnews | 14.02.2012 | Drucken

Merkur

Krater Kuiper im Blick von Messenger

Als sich im März 1974 zum ersten Mal die Raumsonde Mariner 10 dem sonnennächsten Planeten Merkur näherte, war auf ihren frühen Bildern aus großer Ferne, auf der Merkursichel ein heller Fleck zu sehen, der die Neugier der Planetenforscher weckte. Er stellte sich schließlich als ein 62 Kilometer großer Einschlagkrater heraus, der einen ungewöhnlich hellen Boden aufwies. Nun hat die US-Raumsonde Messenger, die seit März 2011 den Merkur umkreist, das bislang beste Bild dieser Struktur übermittelt. Sie wurde nach dem US-Astronomen Gerard P. Kuiper (1905 – 1973) benannt. Er war Mitglied des Bildauswerteteams von Mariner 10, verstarb jedoch vier Monate vor dem Vorbeiflug. Somit war ihm ein detaillierter Blick auf die Merkuroberfläche nicht vergönnt, obwohl er eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt Mariner 10 war. Der Krater Kuiper ist eine der wenigen Strukturen auf der Merkuroberfläche, die nicht nach einem Komponisten oder Künstler benannt wurde, wie es nun die Regel ist.

Offenbar wurde im Fall des Kraters Kuiper durch den Einschlag eines Asteroiden oder Kometen eine hellere Gesteinsschicht im Untergrund der Merkurkruste freigelegt, über deren Zusammensetzung derzeit noch wenig bekannt ist. Da der Krater von ausgeprägten Auswurfstrahlen umgeben ist, dürfte seine Entstehung nur wenige hundert Millionen Jahre zurückliegen. Obwohl Merkur nach irdischen Vorstellungen eine luftlose Welt ist, unterliegt seine Oberfläche dennoch einer langsamen Verwitterung. Über Millionen von Jahren hinweg prallen immer wieder Mikrometeoriten und größere Gesteinsbrocken mit hoher Geschwindigkeit auf der gesamten Merkuroberfläche auf und graben so nach und nach ihre obersten Schichten um. Dadurch werden schließlich auch die Auswurfstrahlen von Einschlagkratern ausgelöscht. Ihr Vorhandensein belegt also immer ein geologisch geringes Alter.

Das Bild erreicht im Original eine Auflösung von 380 Metern pro Bildpunkt. Es wurde in drei verschiedenen Wellenlängen bei 433, 750 und 1000 Nanometer aufgenommen, also im blauen und im roten sichtbaren Licht und im nahen Infraroten. Im unmittelbaren Umfeld des Kraters ist eine schwache orange Färbung sichtbar, die wohl auf ausgeworfene Schmelzen und Gesteine aus dem Kraterinneren zurückgeht. Sie gingen in den wenigen Sekunden bei der Kraterbildung in der näheren Umgebung nieder und bildeten eine Decke aus Auswurfsmassen. Ähnliche Ejektadecken beobachtet man auch bei irdischen Einschlagkratern, zum Beispiel beim Nördlinger Ries in Süddeutschland. Sie bestehen dort aus Gesteinstrümmern, fein zermahlenem Gesteinsstaub und Fetzen aus glasiger Schmelze. Diese Mischung trägt den Namen Suevit, Schwabenstein, nach der lateinischen Bezeichnung für Schwaben, Sueva.

Im Zentrum des Kraters befindet sich ein gut ausgeprägter Zentralberg, der sich häufig auch bei den Kratern auf dem Mond zeigt. Er entsteht beim Zurückfedern des Gesteins wenige Sekunden nach dem Aufschlag eines Asteroiden. Unter den Druck- und Temperaturbedingungen eines Einschlags verhalten sich die getroffenen Gesteine plastisch und federn wie die Wasseroberfläche eines Tümpels zurück, in den man einen Stein wirft. Auffällig sind auch die Abstufungen im Kraterwall: es sind Kraterterrassen. Sie bilden sich, wenn die ursprünglich sehr steilen Wände des Einschlagkraters wenige Minuten nach dessen Entstehung nachgeben und die Gesteinsmassen der Kraterwände stufenweise ins Kraterinnere abrutschen. Man kann davon ausgehen, dass bei einem Krater von der Größe Kuipers alle größeren Bewegungen etwa fünf Minuten nach dem Einschlag zum Stillstand kamen. Die Entstehung von Einschlagkratern ist aus geologischer Sicht also ein instantanes Ereignis.
© Sterne und Weltraum

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