mein erstes Teleskop, das ich als junger Schüler von meinem mühsam ersparten Taschengeld erwarb, war gebraucht und fiel in die damalige Qualitätskategorie "Japanramsch". Und doch übertraf dieser 60-Millimeter-Refraktor die Fernrohre, mit denen Galileo Galilei vor 400 Jahren bahnbrechende Entdeckungen gelangen, an optischer Leistung. Mein bevorzugtes Beobachtungsobjekt war Jupiter. Ich sah den Großen Roten Fleck auf seiner Oberfläche, bestimmte mit Hilfe eines Fadenkreuzes die Zeitpunkte seines Durchgangs durch den Zentralmeridian, und ermittelte so die Rotationsdauer des Riesenplaneten. Und ich staunte über die wechselnden Positionen der vier Galileischen Monde, die Jupiter umrundeten wie unsere Planeten die Sonne. Ich war stolz wie Oskar – hatte ich doch selber Dinge
beobachtet, die der Menschheit viele Jahrtausende verborgen geblieben waren.
Später lernte ich in der Schule, dass der Däne Ole Römer anhand der Jupitermonde im Jahr 1675 erkannt hatte, dass sich Licht nicht unendlich schnell, sondern mit endlicher Geschwindigkeit ausbreitet. Dies nachzuvollziehen, überstieg damals meine Fertigkeiten. Römer hatte die Zeiten gemessen, zu denen die Monde vom Schatten des Planeten verfinstert wurden. Je nach Stellungen von Erde und Jupiter auf ihren Bahnen traten diese Verfinsterungen wegen der veränderten Lichtlaufzeiten mal einige Minuten früher, mal einige Minuten später auf.
Dabei ist es gar nicht schwer, die Erkenntnisse Römers nachzuvollziehen. Unser Autor Thomas Hebbeker nutzte ein kleines Teleskop und eine Digitalkamera, um aus den Positionsverschiebungen der Jupitermonde die Lichtgeschwindigkeit zu ermitteln (siehe S. 76). Dabei gelangen ihm noch tiefere Einsichten: Er bestimmte die Masse Jupiters, bestätigte das dritte keplersche Gesetz und berechnete den Wert der Astronomischen Einheit. Faszinierend, wie sich mit simplen Mitteln grundlegende Zusammenhänge der Natur erkennen lassen!
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