Rätselhafter Schlafzwang
Ständige Müdigkeit, unbeherrschbare Schlafattacken und plötzliche Muskellähmungen sind Anzeichen für Narkolepsie – eine schwere organische Störung der Schlafregulation. Vermutlich schädigt das eigene Immunsystem eine für Schlaf verantwortliche Hirnstruktur.
Jerome M. Siegel
Kurze Attacken von totaler oder teilweiser Muskelschwäche (Kataplexie) gehören zu den typischen Symptomen von Narkolepsie, einer krankhaften Störung der Schlaf-Wach-Regulation. Das junge Mädchen bleibt während des Anfalls bei vollem Bewusstsein und erinnert sich später an alles, was um es herum geschah und gesprochen wurde. Karin kann den Freunden, die sich zu verabschieden beginnen, aber nicht signalisieren, dass sie nicht fortgehen sollen. Nach fünf Minuten hört die Attacke plötzlich auf. Karin steht auf, und der Alltag hat sie wieder.
Erst seit kurzem leidet sie an solchen Zusammenbrüchen. Sie hat schon welche erlitten, die fast eine halbe Stunde anhielten. Fast immer trifft sie der Anfall in einer völlig unpassenden Situation. Es dauerte einige Zeit, bis die Ärzte bei ihr eine Narkolepsie diagnostizierten.
Narkolepsie – im Volksmund auch als "Schlafsucht" oder "Schlafkrankheit" bekannt – ist immer noch eine weitgehend unverstandene neurologische Erkrankung (nicht zu verwechseln mit der ebenfalls "Schlafkrankheit" genannten tropischen Infektionskrankheit). Bei einem kataplektischen Anfall geht zwar die Skelettmuskelspannung verloren, das Bewusstsein aber nicht. Der Tonusverlust wird häufig durch heftige Gemütsregungen ausgelöst: besonders oft durch Lachen, aber auch durch Schreck, Ärger, Über


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