Die Nachricht erreichte uns gegen acht Uhr via Satellitentelephon", erinnerte sich der Astronom Lars Lindberg Christensen. Er selbst, vier weitere Dänen und zwei Grönländer hatten gerade ihr Abendbrot beendet und versuchten im Gemeinschaftszelt der Expedition die Zeit totzuschlagen. Seit einer Woche stockte ihre Suche nach Überresten eines spektakulären Meteoroiden (als Meteor bezeichnet der Astronom die am Himmel sichtbare Leuchterscheinung; der verursachende Körper ist der Meteoroid, eventuelle Reste auf dem Erdboden heißen Meteorit). Ein Hubschrauber war dringend erforderlich, um das Gebiet aus der Luft großräumiger zu erfassen, doch der saß stets irgendwo fest, wegen Nebel, Schneetreiben, wegen irgendetwas. Mittlerweile zerschmolz der Lagerplatz zu einem eisigen Sumpf. Grönlands kurzer Sommer war angebrochen, und es war Zeit, zur trockenen, felsigen Spitze eines Nunataks zu ziehen, eines aus der Eismasse herausragenden Berges, um die Suche von dort aus fortzusetzen.

Aber dann: Gute Neuigkeiten. Ein Fernsehsender in Grönlands Hauptstadt Nuuk berichtete, ein Ranger habe beim Segeln durch das Labyrinth der Inseln und Buchten vier frische Einschlagkrater in Küstenhängen gesichtet, ungefähr 60 Kilometer nordwestlich vom Camp, in der Nähe von Qeqertarsuatsiaat (siehe Karte Seite 41). "Wir haben bestimmt eine Stunde Satellitenzeit verbraten, um den Mann an die Strippe zu kriegen und mit ihm zu arrangieren, daß er uns dort hinführen muß." Eine weitere gute Neuigkeit folgte: Die Wetterlage brach endlich auf. Der Helikopter würde das Team kurz nach Tagesanbruch abholen.

Zu diesem Zeitpunkt weilte die Expedition bereits seit zwei Wochen in der Eiswüste. Sie war über Eis gewandert, in Fels- und Gletscherspalten geklettert und hatte Schneeproben geschmolzen, um nach Meteoritenstaub zu suchen – und nun sah es so aus, als wären die Mitglieder an der falschen Stelle tätig geworden. Doch Christensen sah das gelassen: "Berechnungen können falsch sein, was zählt ist